Für mich hat sich die Entscheidung für dieses Forschungsseminar bereits vor einiger Zeit angekündigt. Ich hatte den Weblog eines Komilitonen gefunden, der dort Dinge aufschrieb, die er „mal wusste und später wissen will, wo sie stehen“. Die Idee gefiel mir, ein Journal für persönliche Projekte einzurichten, Schritt für Schritt den Lernprozess zu dokumentieren, und außerdem durch diesen Aufbau einen gewissen zusätzlichen Ansporn zu haben, konsequent über einen längeren Zeitraum „dran zu bleiben“. ePortfolios waren für mich zu diesem Zeitpunkt lediglich elektronische Versionen der Bewerbungsmappe, eine Auflistung von Referenzen für potentielle Arbeitgeber.
Das in den Kursbeschreibungen einleitend vermittelte Verständnis von ePortfolios als „Brückenschlag zwischen privaten und öffentlichen Sphären des Lernens“ vermochte dann allerdings, diesen recht starren Vorstellungsbegriff um einiges zu erweitern.
Wenn der Nutzen einer solchen Sammlung nicht nur den konkreten Einsatz in Bewerbungssituationen vorsieht, sondern auch der persönlichen/kollektiven Organisation von Wissen und Kompetenzen Raum lässt, dann sind die Grenzen nach außen offen für alle Formen von Ausprägung und Gestaltung.
Leben im Informationszeitalter bezeichnet nicht nur die Einfachheit und die Bedeutsamkeit von Informationserwerb, sondern auch die immer noch vernachlässigte Notwendigkeit von Informationsstrukturierung.
Das wird deutlich im falschen Umgang mit sensiblen Daten im Internet. Wenn Mitarbeiter größerer Unternehmen vertrauliche Informationen auf öffentlichen Servern ablegen, und damit Schlagzeilen machen. Das wird auch deutlich, wenn feierwütige Studenten ihre Partyexzesse ausführlich bebildert im StudiVZ dokumentieren und auf keine einzige Bewerbung mehr ein Antwortschreiben erhalten.
Nicht zuletzt wird es deutlich, in jedem Bereich, dem unablässig eine hohe Menge an neuen ungeordneten Daten zufließt, ob in der Arbeitswelt oder im Privatleben.
Dass Social-Networking-Plattformen die Dynamik von Web 2.0-Applikationen auch professionell nutzbar machen können, zeigen Projekte wie Xing.
Nach wie vor bestimmen allerdings User die Ausgestaltung der gegebenen Möglichkeiten, nicht die Betreiber von Communities. Für uneingeschränkte Vergleichbarkeit auf einem hohen Niveau bleibt als letzte Instanz nur eine stark reglementierte Normung ohne Gestaltungsfreiheit.
Standardisierte Dokumente wie der EuroPASS bieten hier ein einheitliches Konzept zur Organisation von Kompetenznachweisen für Bewerbungen im In- und Ausland. Auch wenn die Etablierung derartiger Transparenzinstrumente ein Gros der ePortfolio-Entwicklung darstellen, ist für mich persönlich das andere Ende des Spektrums von Bedeutung: die Aussicht, unterschiedliche Arbeitsbereiche via CMS so miteinander zu vernetzen, dass sie sich für den jeweiligen Einsatz zielgebunden strukturieren lassen. Die Option, formelle und informelle Prozesse für sich und andere aufschlüsseln zu können, könnte eine neue Art von Arbeitsverständnis und Wissensvermittlung mit sich bringen. Zu guter Letzt ist die eigenständige Organisation von Informationen und die fachgerechte Darstellung eine Kompetenz in sich.
Ich hoffe, in den nächsten Monaten tieferen Einblick in innovative Nutzungsformen von ePortfolios zu gewinnen, erfolgreiche Konzepte kennenzulernen und im Gespräch mit Experten vielleicht auch wertvolle Impulse für persönliche Umsetzungen zu bekommen.